Was macht eigentlich ein Kapuziner

Den Abend und seine feinen Stimmungen mag ich sehr. Vor meinem Bürofenster sehe ich die Sonne orange über dem Zürichsee untergehen. Es ist ein erstes abendliches Innehalten; eine innere Dankbarkeit macht sich breit in meinem Herzen. Doch zurück zur Tastatur und dem Schreiben – was für mich als Journalisten eine Möglichkeit ist, Jesus von Nazareth nachzufolgen, und als Guardian des Klösterlis eine Grundlage für die Organisation und Kommunikation des Klosters.

Der lebendigste und freudigste Augenblick in meinem Alltag beginnt am Abend um 21:30 Uhr in der Klosterkirche. Das öffentliche Nachtgebet. Die dunkle Kirche mit Kerzen erleuchtet ist ein sinnlicher Ort des Ankommens, Stillwerdens und Abschiednehmens. Zuerst konzentriere ich mich auf meinen Atem und lasse ihn ruhig werden. Dann geht mir durch den Kopf «Gott, du hast mich gerufen, du meine Schöpferin, ich bin da». Entspannung und Glück breiten sich in meinem Herzen aus. Was macht eigentlich ein Kapuziner weiterlesen

Wenn Gott durch bewegte Bilder bläst

Einzelne Dokumentarfilme lassen uns religiöses Handeln kennenlernen und vermitteln uns Wissen zu Glauben. Spielfilme laden manchmal ein zum Staunen und zum Betroffen werden – selten auch einem heiligen Erschauern, ja einem Berufungserlebnis.

Ihre Augen beginnen zu leuchten und lächelnd formuliert die Ordensschwester: «Als ich den Film ‹Bruder Sonne, Schwester Mond› von Franco Zeffirelli gesehen habe, da wusste ich, Gott beruft mich ins Ordensleben.» Und heute leitet sie ein Kloster und denkt glücklich an die Berufungserfahrung vor dem Fernseher nach. Gottes Geist kann auch durch Film, wie durch andere Medien auch, Menschen in seinen Dienst berufen. Wenn Gott durch bewegte Bilder bläst weiterlesen

Frisch in Form, ITE 2017/3

In diesen Tagen wird bei uns im Kloster der Ablauf des Essens wenig verändert. Kaum zu glauben, wie viel Unsicherheit (als organisatorische Frage) wie auch Verunsicherung (auf Gefühlsebene) damit ausgelöst wurde. Ich gehe im Moment auf Nadeln. Und ich befürchte, dass selbst das Zurück zur alten Ordnung wiederum Unsicherheit und viel Verunsicherung auslösen würde. Trotzdem hoffe ich, dass das Essen bei uns bald «frisch in Form» daherkommt und alle – inklusive ich – wieder entspannt essen und geniessen können. Ähnliches könnte ich von der neuen Telefonanlage oder vom WLAN erzählen. Neuerungen fordern heraus.

In jüngeren Jahren hätte ich wohl Jesus von Nazareth zitiert: «Neuer Wein gehört in neue Schläuche.» Mag sein. Aber im Alltag und in der Religion scheint mir das nicht der geeignete Weg zu sein. Ich bin Christ und möchte nicht unbedingt eine neue Religion gründen. Ich bin aber bereit, die vorgefundene Religion wieder «frisch in Form» zu bringen. Dabei ist die zweitausendjährige Geschichte meiner Religion eine gute Lehrmeisterin für deren Erneuerung.

Im 12. Jahrhundert, zur Zeit von Klara und Franz von Assisi, wurde wieder deutlich, dass Jesus Christus nicht «nur» Weltenherrscher, sondern echt Mensch wurde, in der Krippe in Fleisch geboren und am Kreuz gestorben. Und Bruder Klaus hat im 15. Jahrhundert gezeigt, dass Religion dem Leben und dem Frieden dienen muss. Die Reformatoren im 16. Jahrhundert und das Zweite Vatikanische Konzil im 20. Jahrhundert entdeckten das Wort Gottes neu − sowie mit der Volkssprache die Tatsache, dass Religion für alle Menschen und nicht nur für wenige Spezialisten Bedeutung hat.

Auch heute erleben Menschen, Kirchen und Religionen Gott wieder neu und müssen so ihren Glauben, ihre Praxis und ihre Organisationsformen kritisch überdenken und «frisch in Form» bringen. Man kann glücklicherweise oft auch feststellen, dass sich frühere Zankäpfel heute erübrigen und alte Fehden inhaltlos geworden sind. Innerhalb der unterschiedlichen christlichen Kirche bemüht sich die Ökumene um Versöhnung unter Kirchen und um gemeinsames Erneuern des Christentums.

Pace e bene

Adrian Müller, Redaktor

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Inspirationen zu Edith Stein

«Welches ist dein Namenstag-Patron?» Das war die erste bedeutende Frage, welche ich beim Ordenseintritt bei den Kapuzinern zu beantworten hatte. Aus der Diaspora stammend, hatte ich keine Ahnung von Klöstern und ihren Umgang mit Namen. Relativ schnell merkte ich jedoch, dass es sich dabei nicht einfach um Buchstaben, sondern um ein Lebensprogramm handelt.

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Vielfältige Glaubensbiografien

Wie bin ich zu einem glaubenden Menschen geworden? Diese Frage stelle ich mir oft und vor allem bei Klosterführungen stellt sie sich stets wieder neu. Ich hatte mit 15 Jahren eine existenzialistische Phase und versuchte, den Sinn des Lebens mit Literatur und Philosophie zu ergründen. Ich fand wertvolle Gedanken, aber keine Antworten. Darum begann ich, in der Bibel zu lesen und fühlte mich darin immer mehr zu Hause. Nein, den Glauben habe ich nicht gefunden, bin aber ein glaubender Mensch geworden.

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Religionen auf dem Weg

Lust beflügelt spirituelle Entdecker und vor allem Entdeckerinnen. Mag sein, dass viele Menschen noch Leiden am Untergang früherer Kirchenbilder und Frömmigkeitsformen, doch gibt es immer mehr Menschen, die mit Freude neue religiöse Ausdrucksweisen entdecken im bald unübersichtlichen Dschungel der Religionen und Spiritualitäten.

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Christlicher Glaube findet in unserer Welt statt

Der Sozialethiker Thomas Wallimann-Sasaki hat für das Fastenopfer ein Argumentarium zur Konzernverantwortungsinitiative und damit auch zum Verhältnis von Kirche und Politik erarbeitet. Als Nidwaldner Landrat und Theologe kennt er sich sowohl in Politik als auch Kirche aus. Aus aktuellem Anlass steht die Konzernverantwortungsinitiative im Zentrum des Interviews, geführt von Adrian Müller.

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Lernen – loslassen – beten

Interview mit Michel Bollag im Ite 2015/4

Sehr geehrter Herr Bollag, viele Menschen sprechen heute von Spiritualität. Als Kapuziner kenne ich Unterschiede zwischen franziskanischer und ignatianischer Spiritualität. Hat der Begriff «Spiritualität» im Judentum eine besondere Bedeutung?

Ein jüdischer Denker hat im 20. Jahrhundert gesagt, dass Spiritualität nicht der Weg sei, aber sie kann durchaus ein Ziel sein. Man kann spirituell werden, aber die Spiritualität ist kein Ziel für den Gläubigen. Spiritualität ist nicht die Aufgabe eines jeden Juden, aber etwas für jüdische Menschen, die religiös musikalisch sind.

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Errungene Versöhnung

Pfarreiforum 07/15, S. 12

Müde und mit grossem Druck im Bauch schleppt sich Jakob durch die Wüste. Er ist auf dem Weg zu seinem Bruder Esau und hat ein schlechtes Gewissen. Obwohl mit sich selber beschäftigt, kann er die Verantwortung für seine Frauen und Kinder sowie die Tiere nicht abgeben. Er ist und bleibt gefordert.

Die bevorstehende Begegnung mit seinem Bruder Esau löst bei Jakob keine Vorfreude, sondern vor allem ein schlechtes Gewissen aus. Hat er dem älteren Bruder doch durch Täuschung des eigenen Vaters das Erstgeburtsrecht sowie den Segen geklaut. Jakob musste nach dieser Tat fliehen und in der Fremde leben.

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