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Inspirationen zu Edith Stein

«Welches ist dein Namenstag-Patron?» Das war die erste bedeutende Frage, welche ich beim Ordenseintritt bei den Kapuzinern zu beantworten hatte. Aus der Diaspora stammend, hatte ich keine Ahnung von Klöstern und ihren Umgang mit Namen. Relativ schnell merkte ich jedoch, dass es sich dabei nicht einfach um Buchstaben, sondern um ein Lebensprogramm handelt.

Mein Name ist Adrian. Also schaute ich in den grossen Namensbüchern der Klosterbibliothek nach. Doch welche Enttäuschung! Die ersten beiden «Adrians» waren Soldaten und Märtyrer und lebten in den ersten Jahrhunderten. Damit konnte ich mich nicht anfreunden. Darum suchte ich weiter und fand einen Benediktinerheiligen mit dem Namen Adrian, der viel für die Erziehung tat und deshalb sogar das Bischofsamt zurückwies. Er wollte bei den Jugendlichen bleiben. So konnte ich mir mein Lebensideal damals vorstellen – und auch heute noch ist mir dieser heilige Adrian lieb.

Fasziniert von Teresa

Ähnlich und sogar noch etwas durchdachter wird die klösterliche Namenssuche bei Edith Stein (1891–1942) gewesen sein. Mit 42 Jahren tritt sie als erfahrene und hochgebildete Frau in den Karmel Maria vom Frieden Köln ein. Sie bekommt dabei einen neuen Namen – Theresia Benedikta vom Kreuz (Teresia Benedicta a Cruce).

Vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil erhielten Ordensleute beim Ordenseintritt einen neuen Namen, der oft gemeinsam mit Vorgesetzten gesucht und bestimmt wurde. Man ging davon aus, dass der Mensch mit dem Ordenseintritt ein neuer Mensch wird und so auch seine neue Lebensbestimmung bekommt. Heute behalten Ordensleute meistens den Taufnamen, weil ja die Taufe das Initiationssakrament ins Christentum ist und nicht die Ordensgelübde, die ein Versprechen und nicht ein Sakrament darstellen. Der neue Mensch entsteht durch die Taufe und nicht durch den Ordenseintritt.

Betrachtet man das Leben und Tun von Edith Stein, dann wird einem beim Namen «Theresia Benedikta vom Kreuz» einiges klar. Einerseits konvertierte die Jüdin Edith Stein 1922 nach der Lektüre einer Lebensbiografie über Teresa von Ávila (1515– 1582) zum Christentum. Andererseits schrieb Edith Stein 1941 bis am 2. August 1942, dem Tag ihrer Verhaftung, eigens ein Buch mit dem Titel «Kreuzeswissenschaft. Studien über Johannes a Cruce». Am 9. August stirbt sie in der Gaskammer im Lager Auschwitz-Birkenau.

Einsatz für Frauen

Johannes vom Kreuz (1542–1591) und Teresa von Ávila waren im 16. Jahrhundert die grossen Reformer des Karmeliterordens und sind bis heute vielgelesene und beachtete spirituelle Neuerer. Dabei mussten beide viel Widerstand gegen ihr Engagement erdulden. Auch Edith Stein war eine Reformerin ihrer Zeit. Selber musste sie die Erfahrung machen, als Frau in der wissenschaftlichen Welt benachteiligt zu sein. In Freiburg wurde sie nach dem Doktorat schon gar nicht zur Habilitation zugelassen. Vier Versuche – zur Habilitation zugelassen zu werden – scheiterten, weil sie eine Frau war. Später engagierte sich Edith Stein in der Frauenfrage und in der Mädchenbildung. Dabei war sie inspiriert von ihrer Namenspatronin Teresa von Ávila, die auch in schwierigen Zeiten als religiöse Frau vieles durchmachen musste.

Will man den zweiten Teil des Ordensnamens «Benedikta vom Kreuz» herunterbrechen, dann darf man hier sicher von hoher Mystik sprechen. Die Mystikerin Edith Stein inspiriert sich bei Johannes vom Kreuz. Denkerisch durchdringt sie seine Erfahrungen und erfährt so das Geschenk des Kreuzes für sich und für andere. Mit einem Zitat von Johannes von Kreuz kann man in der Kreuzeswissenschaft erfahren, dass man im Leiden Kraft von Gott empfange. Es sind dies mystische Inhalte, die für Edith Stein eine grosse Bedeutung bekamen und vorerst in Gaskammern endeten. Doch endet die Kreuzeswissenschaft nicht im Tod, sondern sie mündet in eine Wissenschaft vom Licht, in der Hoffnung auf die Auferstehung.

Und Ihr Lebensprogramm?

Das war ein kleiner Blick auf das Lebensprogramm des Ordensnamens von Edith Stein, der Theresia Benedikta vom Kreuz. Ich selber nehme mir lieber «meinen» heiligen Adrian zum Namenspatron als eine Teresa von Ávila oder einen Johannes von Kreuz. Aber auch nicht Edith Stein, die eine faszinierende Heilige ist. Des heiligen Adrians Lebensprogramm ist mir näher. Ich hoffe, liebe Lesende, dass es Ihnen dabei geht wie mir – auch wenn Sie vielleicht wie ich zuerst einmal nachschauen müssen, welches Lebensprogramm sich mit Ihrem Namenstag-Patron verbindet.

Adrian Müller

Vgl. forumKirche

Ein Gedanke zu „Inspirationen zu Edith Stein“

  1. Habe mich auch mal auf die Suche gemacht, sowohl in Büchern als auch zu Fuss, um Othmar als Namens-Patron näher zu kommen. Ich war erstaunt über die überlieferten Episoden in der Vita von Othmar von St. Gallen, die sich lesen wie ein Lebensprogramm für meinen Werdegang. Beim Bier brauen habe ich mich noch nicht versucht (ökum. Heiligenlexikon)
    Ich habe versucht meine Eltern zu befragen, was für sie ausschlaggebend war bei der Namensgebung ihrer Kinder. Leider hatten sie kein ausreichendes Erinnerungsvermögen mehr.

    https://ofradix.net/2012/11/17/namenstag-othmar/

    Danke für die anregenden Gedanken.

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