Edito zu ITE 5/20

Liebe Leserinnen und Leser

Klosterführungen sind beliebt. Es kommen Schulen, Vereine – etwa als Rahmenprogramm zur Generalversammlung – und auch Private ins Kloster und tauchen in eine ihnen fremde Welt ein. Die Menschen geniessen es, einmal hinter die Klostermauern zu schauen. Was will ich ihnen als Bruder Adrian vermitteln und für ihr Leben mitgeben?

Anfangs erzählte ich viel über Franziskus und seine Brüder, die ersten Kapuziner und ihre Klöster in der Schweiz. Das ist ein historischer Zugang und bald merkte ich, dass dieser zwar interessant ist, mich aber nicht befriedigt. Ich lebe doch nicht Geschichte. Ich bin Teil der Gegenwart. In der zweiten Phase legte ich mehr Wert auf die franziskanische Spiritualität und die fünf Säulen, wie sie der Kapuzinerorden am Plenarrat in Garibaldi 1986 formuliert hat. Dieser Zugang ist aktuell, bleibt aber im Theoretischen haften. Das Herz wird nicht warm.

Gegenwärtiges Kapuzinerleben ist in der Schweiz und gewiss in Nordeuropa «suchend». Das Alte wird verabschiedet und das Neue ist noch nicht sichtbar. Und nur von Aufbrüchen und Absichten mag ich nicht erzählen. Da bin ich zu praktisch und zu wenig spekulativ veranlagt. An der Zukunft arbeite ich gerne mit, aber Glaubwürdigkeit und konkretes Tun sind mir wichtiger.

Tue etwas Gutes und erzähle davon, das ist ein medialer Grundsatz: Dies ist die Absicht dieses Heftes wie auch meiner Klosterführungen. Dabei ermöglicht diese ite-Ausgabe andere Weisen der Kommunikation, als eine Klosterführung dies tut. Die Führung lebt vor allem von Räumen. Ite 2020/5 von Brüdern und ihrem Leben. Ihre Erfahrungen sollen die Schweizer Kapuzinergeschichte des 20. Jahrhunderts etwas sichtbar machen.

Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wünsche ich bei der Lektüre Freude und auch immer wieder ein Aha-Erlebnis.

Pace e bene

Adrian Müller Vgl. Homepage ITE

Medien laden zum Staunen ein

In den frühen 80er-Jahren, Postamt Ostermundigen 1, Samstagmorgen, eine Stimme halt durch die Schalterhallen. «Ädu, ein Fax für deine Familie!». Aufgeregt springe ich zum Faxgerät, das noch gar nicht so lange auf dem Postamt steht – vor kurzem wurde ich noch auf den Telegrafen ausgebildet. Wie angewurzelt bleibe ich vor dem neuen Faxgerät stehen. Da kommt erkennbar die Handschrift einer meiner Schwestern aus dem Faxgerät heraus – und ich weiss, meine Schwestern sind in Norwegen in den Ferien.

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