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Fünf Perlen fürs kapuzinische Leben

26. Juli 2026
Fünf Perlen fürs kapuzinische Leben

Predigt vom 26. Juli 2026; 1 Kön 3,5-12; Mt 13,44-52

Liebe Gläubige

Salomon hat bei Gott einen Wunsch offen. Er überlegt sich seine eigene Lebenssituation und kennt auch seine Schwächen. Jung, unerfahren und überfordert nimmt er sich wahr. Das kann er Gott formulieren und daran seine Wünsche ausrichten: 9 Verleih daher deinem Knecht ein hörendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht!

Märchen kennen das Motiv von offenen Wünschen auch. Da wird von den Dummen, Bösen oft Materielles, Reichtum gewünscht oder sich an anderen Menschen gerächt. Der Ausgang ist dann negativ. Salomon ist eben weise und bescheiden. Ich finde es wunderbar, dass die Bibel uns diesbezüglich ein positives Beispiel gibt. Ja, Menschen können auch verständig und positiv auf Mitmenschen und gute Werte ausgerichtet sein. Nehmen wir Salomon ernst, dann braucht es für eine gute Antwort Nachdenken, eine Situations- und daraus folgend eine Bedürfnisanalyse. Und so kann es wahre Schätze und Perlen geben, die jedoch vertieft und angeeignet werden müssen.

Interessanterweise haben das auch die Kapuziner gemacht. Dazu wurden immer wieder sogenannte Plenarräte durchgeführt. 1987 haben die Brüder in Garibaldi, Brasilien, den 5. Plenarrat durchgeführt. Da gab es weltweite Befragungen, Nachdenken, in Garibaldi Diskussionen und am Ende ein vom Generalrat der Kapuziner approbiertes Schlussdokument mit fünf Punkten. Ich meine fünf Wünsche, Perlen für einen kapuzinischen Lebensstil. An Klosterführungen habe ich bisher diese fünf Punkte, Perlen der Kapuziner, vorgetragen – und am Ende fragte ich die fünf Perlen ab. Bis jetzt haben alle Gruppen erfüllt und mussten nicht nachsitzen! Kurz diese fünf Punkte:

1.    Kontemplation: Kapuziner beten in der Stille zu Gott und leben da ihre Gottesbeziehung. Darum auch ein von der Kirche abgetrenntes Chor, hier im Wesemlin hinter dem Marienheiligtum, um in Stille meditieren und beten zu können. Kapuzinergebet ist Herzensgebet.

2.    Brüdergemeinschaft als Geschenk und Aufgabe: Das kennen sie vermutlich aus dem Familienleben auch. Man ist sich geschenkt und manchmal eine Aufgabe, die es zu tun und auszuhalten gibt. Das heisst bei den Kapuzinern auch, dass die Gemeinschaft einer persönlichen beruflichen Karriere vorgeht. Nicht immer einfach umzusetzen! Das braucht Bescheidenheit, Besonnenheit und Offenheit.

3.    Armut und Mindersein unter den Armen: Auch nicht einfach diese Forderung. Ja, es gibt reiche und einflussreiche Menschen auf der Welt. Kapuziner achten sie. Doch der kapuzinische Lebensort ist nicht bei den Reichen, Schönen und Weltenherrschern. Volksnah wird den Brüdern gerne nachgesagt. Minoritas ist eine stete Herausforderung.

4.    Apostolische Tätigkeit: Wie die Apostel sollen die Kapuziner in der Nachfolge Jesu fürs Reich Gottes einstehen. Das hat auch mit einer kirchlichen, theologischen und spirituellen Verankerung zu tun. Hier werden Katechese und Verkündigung einzuordnen sein.

5.    Unsere Botschaft der Gerechtigkeit, des Friedens und der Ehrfurcht vor der Natur: Dazu liesse sich nun einiges von Franz von Assisi und seinen Geschwistern sagen. Franz war der erste Mensch, der ein Tierschutzgesetz einforderte. Ganz praktisch also, dieser Franziskus und seine Geschwister. 

Diese fünf Perlen, Säulen des Lebens waren vor 39 Jahren als konkrete Orientierungspunkte für kapuzinisches Leben angedacht. Ich finde sie nicht schlecht und habe mein Kapuzinerleben bisher daran orientiert. Doch darf ich diesen Oktober an den Wünsche neunten Plenarrat in Rom reisen und diese Fragen mit Brüdern aus aller Welt neu bedenken. Was sollen unsere tragenden Säulen, Perlen des Lebens, für die Zukunft sein? Da heisst es wieder auf Bibel, franziskanische Quellen und Menschen hören, die kapuzinische Wirklichkeit wahrzunehmen, Gut und Böse zu unterscheiden, wie es Salomon von Gott gewünscht hat. 

Interessanterweise kennt das Arbeitspapier für den neunten Plenarrat nur noch vier Punkte: Gebet (Kontemplation), Brüdergemeinschaft, Minoritas/Armut sowie Mission. Ich würde meinen, die ersten drei Punkte von Garibaldi werden in etwa aufgegriffen; der vierte Punkt, apostolische Arbeit in Mission umbenannt. Weggefallen ist der fünfte Punkt: Unsere Botschaft der Gerechtigkeit, des Friedens und der Ehrfurcht vor der Natur. Oder darf man apostolische Arbeit sowie Gerechtigkeit, Frieden und Ehrfurcht vor der Natur unter "Mission" zusammenfassen. Ich fände das gar nicht schlecht. Fällt doch oft die Schöpfungstheologie in der Verkündigung unter den Tisch vor lauter "Jesus loves you"! Und wenn ich auf all die naturnahen Gleichnisse schaue - wie auch heute wieder - so kann man gut sagen "Jesus loves nature".

Doch was ich spannend finde im Arbeitspapier für kommenden Oktober, ist ein eigenes Kapitel (von drei) zum Thema Die brüderliche Zusammenarbeit im Orden. Da bleiben Schweizer, Inder, Tansanier nicht mehr unter sich. Künftig sollen die Kapuziner in international gemischten Gemeinschaften zusammenleben und so von ihren Werten Zeugnis abgeben. 

Nun, hier in Luzern haben wir schon einmal George als indischer Mitbruder. Kommende Woche kommt noch Bruder Ferdinand Martin aus Indien neu ins Wesemlin. Okay, Luzern fehlen noch lateinamerikanische und afrikanische Brüder. Das würde jedoch auch heissen, dass Schweizer Brüder bereit wären, ins Ausland zu gehen. Ich bin gespannt, wie im Oktober am neunten Plenarrat diskutiert und geplant wird. Im Moment gilt jedoch noch Garibaldi: 

1.    Kontemplation: 

2.    Brüdergemeinschaft als Geschenk und Aufgabe: 

3.    Armut und Mindersein unter den Armen: 

4.    Apostolische Tätigkeit: 

5.    Unsere Botschaft der Gerechtigkeit, des Friedens und der Ehrfurcht vor der Natur: 

Klar, am Ende des Gottesdienstes gibt es eine Türkontrolle. Die fünf Perlen weisen dann in die Freiheit! Amen.