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Glauben traut der Gottes-Beziehung

08. März 2026

Predigt vom 8. März 2026; Ex 17,3-7; Joh 4,5-42

Es gibt Menschen, die sagen, Glauben ist Noch-Nicht-Wissen. Und sobald wir alles wissen, dann braucht es keinen Glauben mehr. Ich für mich betrachte Glauben als Ausdruck einer Beziehung, nämlich unserer, meiner Gottes-Beziehung sowie Menschen-Beziehungen und nicht als Ausdruck meines Noch-Nicht-Wissens. Glauben hat mit erlebten und gepflegten Beziehungen zu tun. Dabei erfahre ich Gott unter anderem als den Anderen, das Geheimnis, die Liebe, den Barmherzigen, usw. 

Selbst in menschlichen Beziehungen erfahre ich dieses Geheimnishafte – je mehr ich jemanden kenne oder sogar liebe, desto mehr Fragen habe ich. Es zeigt sich Interesse. Nicht-Wissen, Offensein ist also auch ein Ausdruck von Liebe und Aufmerksamkeit dem anderen gegenüber. Niemand wird gerne in Schablonen gepresst. Vermutlich auch Gott nicht. Schon in der Bibel begegnen uns unterschiedliche Geschichten und Bilder menschlicher Gottesbeziehungen. Und dann erst in unserem Alltag?!

Gottes-Glauben lebt von Fragen, nämlich von Beziehungs-Fragen. Im Buch Exodus (17,3-7) hörten wir einige Fragen vom Volk wie auch von Mose. Gott antwortet und handelt, so erzählt es die Bibel. Den Ort nannte Mose Massa und Meríba, Probe und Streit, weil die Israeliten gehadert und den HERRN auf die Probe gestellt hatten, indem sie sagten: Ist der HERR in unserer Mitte oder nicht? Ex17,7 Und diese Frage des Volkes erachte ich als legitim und stellen auch wir vermutlich ab und zu: Ist Gott in unserer Mitte oder nicht? Wirkt Gott in der Kirche? Prägt diese Gottes-Beziehung mein eigenes Leben? Und eben, auch Konflikte gehören ab und zu in eine lebendige Beziehung. Erst so werden Klärungen möglich. Ich als harmonischer Mensch gehe Konflikten lieber aus dem Weg. Sie beanspruchen viel Kraft und Mut. Und trotzdem ohne das Aushalten von Konflikten gibt es keine Beziehung, keine Gottes-Beziehung.

Die lange Perikope aus dem Johannes-Evangelium, die wir heute gehört haben, kennt drei Gesprächs-Situationen Jesu. Zuerst eine ausführliche Diskussion mit der Frau aus Samárien, eine hoch-theologische Jünger-Belehrung und eine Begegnung mit den Menschen aus Samárien, die dank der Frau zum Glauben finden.

In allen drei Gesprächs-Situationen werden auch schwierige Fragen aufgeworfen. Die Samaríterin weiss um Jesu Jude-Sein und sein jüdisches Kontaktverbot mit Samarítern. Jesus weiss um die verzwickte persönliche Lebenssituation der Frau. Im Gespräch mit der Fremden offenbart sich Jesus als der Messias. Die Samaríterin hört und handelt: Aus jener Stadt kamen viele Samaríter zum Glauben an Jesus auf das Wort der Frau hin, … (Joh 4,39).

Die Frau aus Samárien wird durch ihr Zeugnis die Apostelin der Samáritaner. Irgendwie bin ich hier an Ostern erinnert und an das Osterzeugnis der Frauen am Grab. Die Samaritaner glauben jedoch, weil sie selbst in diese Beziehung mit Jesus, mit Gott eintreten. Und zu der Frau sagten sie: Nicht mehr aufgrund deiner Rede glauben wir, denn wir haben selbst gehört und wissen: Er ist wirklich der Retter der Welt. (Joh 4,42) Wie das Volk Israel entwickeln die Samaritaner im Evangelium ein Gott-Beziehungs-Wissen. Doch auch hier, Fragen und Antworten. Sie gehören zum Weg in eine Beziehung.

Und eben: Es gibt Menschen, die sagen, Glauben ist Noch-Nicht-Wissen. Und sobald wir alles wissen, dann brauchen wir keinen Glauben mehr. Ich für mich betrachte Glauben als Ausdruck einer Beziehung, nämlich unserer, meiner Gottesbeziehung und nicht als Ausdruck meines Noch-Nicht-Wissens. Glauben hat mit erlebter und lebendiger Beziehung zu tun. Und da braucht es meinen Glauben sowohl an Menschen wie an Gott und immer wieder viel Beziehungsarbeit. Viel Kraft, Mumm und Geduld trotz Konflikten, Streit und Proben wünsche ich uns. Amen.